Ethik im Alltag

Heute: Motte oder Sein ?

Al, ich krieg die Motten! Also haben tu ich sie schon lange or should I say: They once had me! Mehlmotten, um genau zu sein, auf den ersten Blick ganz hübsch anzusehen, auf den zweiten und durch schmerzliche Erfahrungen gereift (Na gut, Du hast es nicht mehr geschafft einzukaufen, sei's drum - mach aus der Not eine Tugend und backe an diesem Wochenende Dein Brot selbst! Weit gefehlt! Beim genaueren Blick in die Tüte Korns entpuppten sich hunderte ebensolche und hinterließen ihre Exkremente und weitere Brut im Beutel...) fällt es Dir zunehmend leichter, die Plage auszumachen und in Kampfhandlungen einzutreten.

Ich entschied mich dafür, alle verdächtigen Vorräte zu beseitigen, grundsätzlich weniger Vorratshaltung zu betreiben und das Unverzichtbare in Schraubgläser zu verstauen. Letzeres ist eine geeignete Versuchsstellung zur Erkundung der unglaublichen Fähigkeiten der Natur, die sogar den Gang durch Glaswände nicht scheut, wenn es darum geht, meinen Reis niederzumachen !

Nun ja, so hätte es noch jahrelang weitergehen können - ich hatte mir inzwischen angewöhnt, fliegende oder sitzende Motten ohne weiteres Aufheben, also reflexhaft und restlos gedankenlos im Handstreich zu nehmen, sehr zur Verstörung gelegentlich anwesender männlicher Gäste, die soviel Kaltblütigkeit hinter dem ach so lieblichen Gesichtchen nur schwer verkrafteten und sich, ganz Motte, bedroht sahen, von dem männermordenden (fängt schließlich beides mit 'M' an) Ungeheuer plattgehauen zu werden - hätte da nicht jene Nachbarin, die eigentlich nur für ein paar Tage die Katze versorgen sollte, die Folterinstrumente und den Anlaß meiner Frage an Dich Al, in mein Leben gebracht:

Ungefragt stellte sie ihre Leimfallen auf, und an mir ist es jetzt zuzusehen, wie die kleinen Flatterlinge, angelockt vom industriell gefertigten Liebesduft, ihre erste hoffnungsvolle Landung mit einer Ewigkeit Klebens verbüßen, die erst durch ihr höchsteigenes Ende ein ebensolches findet.

Weißt Du eigentlich Al, wie lange diese Folter währt? Drei Tage mindestens! Immer, wenn ich das Blatt in die ehemals schlagkräftige Hand nehme, zappeln Flügel und Antennen der Moribundi, soweit es ihre jeweilige Verklebung zuläßt, und mir bricht ob dieser erbarmungswürdigen Vorstellung das Herz, so daß ich schon zweimal das Vollstreckungskommando startete, um per Pull and Squish eine Beschleunigung des Prozedere herbeizuführen.

In letzter Zeit kamen mir jedoch grundsätzliche Zweifel: Ist es wirklich besser das Leiden zu verkürzen, so nach dem Motto: 'Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende', oder sollte ich den Dingen ihren Lauf, den Motten mithin die Chance lassen, sich ihres Endes und der Ausweglosigkeit bewußt, mit den immer weiter schwindenden Kräften den Übergang in jene andere Welt sanft zu vollziehen ? Immerhin haben sie sich ja freiwillig in die Falle begeben und somit irgendwie zu Recht die Konsequenzen zu tragen... Was meinst Du ?

Liebe Grüße

Weedy


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