Wo das Moos wächst

Wo das Moos wächst bin ich zuhaus
fernab der Straßen und Landeplätze
dort wo niemand mehr wohnt
allenfalls ein paar Vögel und Käfer
ich geb dem Getier keine Namen
es ist einfach da genauso wie ich
da bin und froh dass keiner mich fragt
wer ich sei denn das möcht ich nicht
dass hierher noch die Polizei
oder sonst irgendein Staat kommt mir
reichen schon die Waldarbeiter mit ihren Maschinen

So duck ich mich also
tief unters Moos
ich find schon mein Leben und Auskommen hier
zwar leicht ist es nicht
doch das wär es nirgendwo
drüben im Ried nicht und auch nicht droben am Bühel
ich bleib lieber hier drunten
verdeckt und scheinbar verkommen
dabei ganz zufrieden mit dem wenigen Licht
als ein Namenloser
welcher die Tage und Jahre nicht weiß

Wenn ich Muße hab
ritz ich ein kleines Gedicht in einen Stamm
meist hält mein Messer nur einen Vers
dann muss ich es schleifen
aber ein Vers das ist auch genug
für Poesie unterm Moos
was ich da einritz
das braucht keiner zu wissen
und ich weiß es
wenn ich das Messer schleif
oft genug selber nicht mehr


(Jörg Neugebauer)
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